Vögel mit Sehbehinderungen

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Jasmin

Beitrag von Jasmin » Do 9. Sep 2004, 11:32

Guten Tag,

mein Name ist Nimu, der Schön(e)sittich! Ich gehöre der Gattung Grassittiche an.

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Langezeit habe ich bei einer Dame mit vielen anderen Sittichen gewohnt. Ich habe meinen Käfig mit einem Sperlingspapagei geteilt. Dann war die Dame plötzlich weg und wir wurden ins Tierheim gebracht. Jetzt wohne ich bei meiner Federlosen Jasmin und habe endlich eine Artgleiche Partnerin bekommen.

Leider bin ich auf dem rechten Auge völlig erblindet und auch das linke Auge ist durch den grauen Star gezeichnet.

Aber das ist gar nicht so schlimm. Meine Federlose trägt mich immer auf die Fensterbank, wo sie mir extra einen tollen Spielplatz hergerichtet hat. Hier kann ich stundenlang verweilen. Und manchmal, wenn ich ganz mutig bin, fliege ich sogar in meine Käfig. Ganz alleine, jawohl.

Mir geht es gut und das Leben hat es letztendlich doch noch gut mir mir gemeint. Meine Federlose hat gesagt, ich werde für immer bei ihr wohnen bleiben. Ist das nicht toll?

Tschiiiielp,
euer Nimu

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Feenseeschwalbe
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Beitrag von Feenseeschwalbe » Do 9. Sep 2004, 11:47

Hallo ihr Lieben,

die Namensgleichheit zum Schönsittich, der sich weiter oben zu Wort gemeldet hat, ist erstaunlich - ich möchte euch von Nimue berichten. Leider kann sie selbst nicht mehr schreiben, denn gestern vor einem Jahr ist sie über die Regenbogenbrücke geflogen. :cry:

Nimues Welt war vermutlich extrem unscharf und relativ dunkel, und es schien so, als wäre dies schon immer so gewesen. Beide Augen wiesen bei der leuchtend gelb gefärbten Katharinasittichdame Nimue starke Trübungen der Hornhäute auf. Das Lutinoweibchen war demnach nahezu vollständig blind.

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Als sie zusammen mit ihrem Partner Merlin bei ihrem ehemaligen Besitzer lebte, ging man wenig rücksichtsvoll mit der gehandikapten Nimue um. Immerzu bedrängten die Kinder dieses Mannes den Sittich, der ihrer Meinung nach zahm war - schließlich lief er ja nicht davon. Dass Nimue blind war, ist den unsensiblen Leuten nicht einmal aufgefallen, so wenig haben sie sich auf den Vogel und seine Bedürfnisse eingelassen.

Wie schrecklich es sein muss, wenn man wieder und wieder ohne jegliche Vorwarnung durch einen Schraubstockgriff festgesetzt wird, vermag sich vermutlich niemand wirklich vorzustellen. Nimue hat es so oft erlebt, dass sie ständig in der Angst lebte, wieder in die Hand genommen oder gegen ihren Willen berührt zu werden. Sie litt unter dem psychischen Druck dermaßen, dass sie unter starken, psychosomatisch bedingten Verdauungsstörungen litt. Schwerer Durchfall war die Folge, und hätte sie eine Hose getragen, so hätte sie sich vermutlich oft vor Angst in selbige gemacht...

Wenige Wochen nach ihrem Einzug in mein Vogelzimmer gehörte dieser Stressdurchfall glücklicherweise bald der Vergangenheit an. Nimues Gesundheitszustand verbesserte sich und sie wurde zusehends aktiver. Nach einigen Wochen randalierte sie regelrecht in ihrem Käfig und wollte die Welt da draußen erkunden, obwohl sie sie nicht sehen konnte.

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Damit Nimue sich in ihrem Käfig nicht ständig langweilte, während sie um sich herum das Getöse der Wellensittiche und ihres Partners hört, entschied ich, für sie einen kleinen "Abenteuerspielplatz" auf der Fensterbank einzurichten. Dies ist der hellste Ort im Vogelzimmer, und es hatte tatsächlich den Anschein, als hätte Nimue im direkten Sonnenlicht zumindest schemenhaft ihre Umgebung erkennen können.

Die Lieblingsplätze der agilen Vogeldame waren die Korkeichenrinden-Röhren, die sie in der Manier einer verwegenen Höhlenforscherin Tag für Tag aufs Neue erkundete. In diesen Korkröhren konnte sie dösen, singen, das angenehm feste und doch weiche Material nach Herzenslust benagen - und natürlich heimlich Hirse knabbern. Denn damit Nimue überhaupt etwas von dieser Leckerei abbekam, legte ich ihr oft Hirsestücke in ihre Lieblings-Korkröhre, in die sich die gefräßigen Wellensittiche nicht hinein wagten. Mehrmals täglich trabte Nimue außerdem zum Trinknapf und zum Frischkost-Futterplatz auf der Fensterbank, wo sie sich am liebsten saftige, süße Weintrauben einverleibte.

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Wie sie morgens in ihre Lieblingshöhle gelangte, ist leicht erklärt. Nimue hat es innerhalb relativ kurzer Zeit begriffen, dass Hände nicht immer etwas Negatives bedeuten. Sobald ich morgens den Käfig der Katharinasittiche öffnete und ihr Mann Merlin nach draußen stürmte, ruderte sie mit einem Fuß in der Luft herum, um nach meinem Finger zu suchen. Diesen schob ich unter ihren Fuß und sie kletterte auf meine Hand. Vollkommen freiwillig blieb sie darauf sitzen und ließ sich von mir zur Korkröhre tragen. Es rührte mich immer wieder, wie schnell sie trotz ihrer negativen Erfahrungen mit den Menschen dazu bereit war, mir zu vertrauen. Ich bin froh, Nimue niemals enttäuscht oder ihr Vertrauen missbraucht zu haben. Mir war es wichtig ihr zu zeigen, dass Menschen auch gut sein können.

Ende August 2003 erkrankte die zu dieser Zeit etwa acht Jahre alte Nimue infolge der Hitzewelle des Sommers an einer schweren Nierenentzündung. Von dieser erholte sie sich trotz intensiver Pflege nicht mehr. Am 08. September 2003 schlief sie am späten Abend für immer ein, ganz friedlich und in Würde. Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, dass es Nimue zu mir geführt hat. Sie gekannt zu haben, ist etwas ganz Besonderes für mich, da sie eine ganz wundervolle Seele war, einerseits sehr sanftmütig, andererseits auch von ihrer Blindheit nicht unterzukriegen und ungemein tapfer. Nimue hat mich zutiefst beeindruckt und ich werde sie niemals vergessen.

LG,
Gaby
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